Nachdem wir gestern viel von Elke Ellepuls lesen durften, habe ich heute ein Duo im Interview. Grund für meine Interviewpartnerinnen ist Viviens Schnittmusterwahl, sie hat eine großartige „Wrapped Hose“ vom Schnittduett genäht. Ich gebe offen zu, dass ich noch keine dieser Hosen im Schrank hängen habe, aber wenn ich diese hier sehe, dann ist das eigentlich ein unhaltbarer Zustand und damit wandert sie ganz oben auf meine To-Sew-Liste. Ich halte Euch auf dem Laufenden :-)

Vivien hat für ihre „wrapped“ eine sehr schicken Popelinestoff aus Baumwolle und Viskose mit einem geringen Stretchanteil (für eine besonders gute Passform) gewählt, der meiner Meinung nach perfekt ist für Hosen (aber auch Kleider etc..). Den gleichen Stoff gibt es in unterschiedlichen Farben und heute mit 15%  Rabatt für Euch.

Auf Instagram darf ich bei @1000stoff wieder ein ebook für die Hose verlosen, also hüpft auch dort noch rasch vorbei!

Aber jetzt zum Interview:

Anja und Selmin bilden gemeinsam das Schnittduett, das gestern mit seiner dritten Kollektion an den Start gegangen ist. Anja habe ich leider noch nicht persönlich getroffen und Selmin auch nur für einen kurzen Plausch auf der h & h in Köln, aber ich bin mir sicher, das holen wir bei nächster Gelegenheit nach.

Woher nehmt Ihr Eure Inspiration?

Anja + Selmin: Das ist ganz unterschiedlich. Oft sind es Frauen, die uns auf der Straße begegnen oder in unserem Freundeskreis, die ein tolles Teil tragen oder kombiniert haben. Es kann dann auch schon mal passieren, dass wir uns Samstags vom Wochenmarkt ein Foto einer Frau zusenden, deren Jacke uns gefällt und die netterweise für uns posiert hat. Wir lassen uns natürlich auch von aktuellen oder kommenden Trends aus der Modewelt inspirieren und fokussieren uns auf die Details und Schnitte, die wir beide schon immer mögen und auch selbst tragen würden. In jeden Schnitt fließt etwas von uns beiden ein. Alle unsere Kollektionen enthalten Elemente, die wir beide schon immer einmal im Kleiderschrank haben wollten.

Inwieweit beeinflussen Euch aktuelle Modetrends?

Anja + Selmin: Alleine durch das Blättern durch Zeitschriften, Pinterest und den täglichen Blick in unsere Social Media Kanäle werden wir im Überfluss mit den aktuellen Trends konfrontiert. Natürlich spielt das dann auch beider Kollektionserstellung eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete. Denn es ist uns zwar wichtig, dass unsere Schnitte auch mit aktuellen Trendstoffen und -mustern genäht werden können. Dennoch versuchen wir, die Schnitte zeitlos und wandelbar zu designen, damit die Stücke für die Schnittduett-Kundinnen lange tragbar sind. Teile für die Ewigkeit.

Welches ist Euer Lieblingsschnittmuster aus Eurer eigenen Kollektion?

Selmin: Oh Gott, das kann ich nicht sagen, ich hab sie alle gleich lieb. Aber man munkelt, dass ich schon eine stolze Sammlung Wrapped Hosen in meinem Kleiderschrank habe.

Anja: Es kommt auf die Jahreszeit an. Aber ich glaube, ich werde unsere neue Modular Collection hoch und runter nähen. Es gibt so viele Kombinationsmöglichkeiten, dass mir die Ideen sicher nicht so schnell ausgehen. Und die ganzen Pattern-Hacks, die wir für die anderen Schnitte noch im Kopf haben. Lasst Euch überraschen.

Welches ist Euer jeweiliges Lieblingsschnittmuster anderer?

Selmin: Ich liebe das Kalle Shirt Dress von Closet Case Patterns, ein puristischer Klassiker in mehreren Versionen in meinem Kleiderschrank.

Anja: Ich mag mein Reeta Dress von named sehr gerne. Ich habe es in meinem Blogpost das „Wohnzimmerkleid“ genannt, weil es einfach so verdammt bequem ist.

Ihr arbeitet als Duett zusammen. Das finde ich eine mutige Sache, da man im kreativen Prozess ja auch sehr persönlich arbeitet. Wie habt Ihr Euch gefunden, bzw. wie seid Ihr auf die Idee gekommen gemeinsame Sache zu machen? Hat jeder von Euch seine Schwerpunkte oder entwickelt Ihr Eure Projekte größtenteils gemeinsam?

Selmin: Ich finde eher die Leute mutig, die ganz alleine so ein Business, gerade in der Handarbeitsbranche starten. In meinen eigenen freiberuflichen Dingen finde ich es ganz schwer, Entscheidungen alleine zu treffen. Mit Anja kann ich mich immer austauschen. Für mich ist es wichtig, beim gemeinsamen Arbeiten das Konkurrenzdenken auszuschalten und sich gemeinsam ein Ziel zu definieren, auf das man zusammen hinarbeiten möchte. Das bedeutet auch, dass ich Platz mache für dieses gemeinsame berufliche Ziel.

Anja hat mir vor zwei Jahren eine Mail geschrieben, ob ich Lust hätte auf einen gemeinsamen Kaffee. Wir kannten uns bis dahin nur von eins bis zwei Treffen auf Bloggerveranstaltungen. Wir waren beide Kölnerinnen und fanden uns beide sympathisch. Beim gemeinsamen Kaffeetermin haben wir einander von unseren beiden Visionen erzählt und irgendwann kam die Idee einer kleinen gemeinsamen Kollektion. Es sollte eigentlich eine kleine Pop-Up Collection werden, die nur ca. 4 Monate auf dem Markt ist. Ich bin total beflügelt nach Hause, hab Ideen zusammengeschrieben, und bei unserem nächsten Treffen standen schon die ersten Entwürfe. Es hat allerdings ein Jahr gedauert, bis wir unsere Kollektion so rund hatten, dass wir starten konnten. Durch all die Arbeit, die wir hineininvestiert haben, haben wir beschlossen, dass wir doch länger das Schnittduett bleiben möchten. Wir haben einen Vertrag aufgesetzt, was eine großartige Idee war, denn das führte dazu, dass nicht nur alle Träumereinen miteinander geteilt werden, sondern auch die Dinge, die wichtig für die jeweilige andere sind. Es wurden offen Ängste und Bedenken ausgesprochen und alles vertraglich festgehalten.

Anja: Natürlich kann man zu zweit nicht jede Spinnerei, die einem selbst in den Kopf kommt, direkt umsetzen. Man muss diskutieren und Kompromisse eingehen. Aber das kann auch gut und nützlich sein.

Denn oft reicht ein Blick der anderen, der einem sagt: „What?? Du spinnst wohl!“ Und schon arbeitet man wieder fokussiert am eigentlichen Projekt ohne sich zu verzetteln. Ich finde die gemeinsame Arbeit und der Austausch helfen enorm dabei, die Projekte auf den Punkt und zielstrebig umzusetzen. Oder aber, ganz umgekehrt, der Blick des anderen bekommt den gleichen irren Ausdruck und wir springen kopfüber gemeinsam in die Idee, um das ein oder andere kleine Projekt dazwischen zu schieben. Glücklicherweise sind wir beide ähnlich verrückt.

Wir haben feste Routineaufgaben, die wir aus Effizienzgründen nach Erfahrung und Fertigkeiten des jeweils anderen aufgeteilt haben. Aber der andere schaut immer noch einmal drüber, weil vier Augen besser als nur zwei sind. Wir ergänzen uns hier einfach ganz wunderbar.

Nun ist Schnittduett bei Euch beiden ja nur ein Teil des Jobs, Ihr habt beide noch andere Schwerpunkte, die Ihr unabhängig voneinander verfolgt. Hut ab! Sich selbstständig und hauptberuflich in dieser DIY Szene zu behaupten, ist meiner eigenen Erfahrung nach ein Job ohne Feierabend. Ideen hätte ich selber auch noch Hunderte, aber mir fehlt schlichtweg die Zeit. Wie schafft Ihr das?

Anja + Selmin: Beim Annehmen von neuen Projekten oder Anfragen priorisieren wir schon. Gerade in der Zeit vor Erscheinen einer Kollektion, sind wir beide ziemlich unter Strom und die Schnitte benötigen unsere ganze Aufmerksamkeit und Konzentration. Da werden auch schonmal Anfragen abgelehnt und die ganze Kraft ins Schnittduett gesteckt. Trotzdem leistet jeder immer nur das, was er gerade in seiner beruflichen und persönlichen Situation leisten kann.

Wir haben uns grobe Ziele gesetzt aber beide von Anfang an gesagt, dass wir uns gerade im ersten Jahr nicht unter Druck setzen möchten und das Tempo fahren, das uns möglich ist. Dazu müssen wir viel kommunizieren. Wir haben von Anfang an vieles vertraglich festgehalten, damit bestimmte berufliche Dinge geklärt sind, bevor es zu Missverständnissen kommen kann. Wir sprechen anderweitige berufliche Projekte vorher miteinander ab, so dass der andere weiß, wieviel Power in welchen Phasen ins Schnittduett fließen kann. Es gibt immer Zeiten, in denen die andere mehr macht und dann wieder weniger, weil es beruflich oder privat nicht anders geht. Und das ist auch das, was wir bei der Zusammenarbeit zu zweit schätzen. Es ist immer jemand da, die den Rücken freihält. Und auch immer eine, die sagt: Jetzt mach mal Feierabend, morgen ist auch noch ein Tag. Und wenn beide gerade nicht können, dann bleibt die Arbeit halt auch mal liegen.

Wenn Euer Tag (für einen begrenzten Zeitraum) 48 Stunden hätte, dann würdet Ihr:

Endlich mal die vollen 24 Stunden für unsere Ideen, Projekte und To-Dos verwenden um mehr und schneller in die Umsetzung zu gehen. Freizeit, Familie, Schlafen, Essen und Atmen passt ja dann in den anderen 24 Stunden.

Der Anteil selbstgnähter Teile in Eurem Kleiderschrank beträgt  wieviel Prozent?

Selmin: Ich glaube, es sind so 80% – 90%:-)

Anja: Ich denke, es sind ca 50%? Aber stetig wachsend, weil ich kaum noch etwas kaufen kann, ohne den Gedanken „Ach, mache ich selbst“.

 

Schnittmuster: Wrapped Hose, Kollektion „Wrapped“ vom Schnittduett

Material: heute mit 15% Rabatt: Popeline mit Stretchanteil