Bei mir läuft´s gerade. Ich habe zwar keine Zeit, aber die Projekte, die ich trotzdem umsetze, werden genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Das ist durchaus nicht immer so. Im Gegenteil, oft hat man ein ganz bestimmtes Bild im Kopf und dann wird es nicht nur irgendwie anders, sondern auch noch irgendwie nicht so schön. Entweder der Schnitt ist nicht optimal, die Größe müsste angepasst werden, der Stoff fällt anders als gedacht – Gründe gibt es etliche. Meistens reichen ja kleine Änderungen und dann wird es trotzdem noch gut, also alles halb so wild. Aber am Tollsten ist es, wenn es auf Anhieb passt. So wie bei diesem V-Neck Dress von Assembly Line aus Schweden.

Für die vernetzte Garderobe waren Sindy (Mein gewisses Etwas) und ich auf der Suche nach dem perfekten Winter- oder Übergangskleid. Perfekt im Sinne von alltagstauglich, bürotauglich, bequem und schick, anziehen und sich angezogen fühlen. Ich trage wahnsinnig gern Kleider, im Laden, zuhause und auch in der Freitzeit wie z. B. beim Fußballturnier meiner Kinder. Ich unterscheide da nicht großartig zwischen dem Businesskleid für den Job und dem Wohlfühlkleid für einen Sonntag daheim. Ok, im Job muss ich kein Kostüm tragen und manchmal bin ich zuhause halt schicker als mein Umfeld:-). Aber genau dieses Unkomplizierte ist mir wichtig.

Dieses Kleid mit dem schönen V-Ausschnitt entspricht diesen Vorstellungen total. Ohne den Bindegürtel hat es eine A-Linie und kann auch wunderbar offen getragen werden. Die Länge reicht bis übers Knie, dadurch bekommt das Kleid etwas angezogenes, ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Die Ärmel sind leicht kimonoartig und 3/4 lang.

Aber am besten gefällt mir der Schalkragen, der wirklich einen schönen Ausschnitt formt. Genäht habe ich das Kleid aus meinem derzeitig Lieblingsstoff, einer Popeline aus Baumwolle und Viskose mit einem geringen Stretchanteil. Der wäre eigentlich gar nicht nötig, schadet aber auch nicht. Dezenter Glanz, schlicht und edel. Der Schnitt sieht auch eine ärmellose Variante vor, sie folgt mit Sicherheit in Kürze – hat dann aber nichts mehr mit einem Winterkleid zu tun:-)

Aber jetzt müsst Ihr unbedingt noch bei Sindy vorbei schauen und ihren Beitrag lesen. Ihre Frau Elly werde ich mit Sicherheit auch noch nähen, um dem Schnitt schleiche ich auch schon eine Weile herum…

 

Schnittmuster: V-neck Dress, Assembly Line

Material: Popeline aus Baumwolle und Viskose mit ein wenig Elastan

verlinkt mit: sewlalacreadienstag,

Mit diesem Projekt habe ich einen Meilenstein meiner To-Do-Liste für 2019 in Angriff genommen: HOSE! Ich nähe mittlerweile ja wirklich einen Großteil meiner Garderobe selbst, aber vor Hosen habe ich einen großen Respekt. Denn eine „richtige“ Hose dauert länger als jeder Sweater und wenn die nicht sitzt, dann war alles umsonst, denn wer trägt schon freiwillig eine unvorteilhafte Hose? Aber gleichzeitig kann es ja nicht so schwer sein! Ich nähe schließlich auch Blusen mit Knopfleiste und Kleider mit Reißverschluss.

Dennoch weiß ich nicht, ob ich ohne das neue Hosenschnittmuster von Monika, also schneidernmeistern, jetzt schon so weit wäre. Und so glücklich! „IchbineinHOSEnträger“ ist ein Schnittmuster für eine klassische, lässige Hose, im Detail etwas abgespeckt (so formuliere ich das jetzt mal und meine das durchweg positiv), denn sie hat zwar einen Bund und Unter-, bzw. Übertritt, jedoch keinen Reißverschluss.  Das macht vieles einfacher. Im hinteren Bereich kann eine Passe eingefügt werden (zur Formgebung) und für die Knie gibt es optional Patches und/oder auch Bündchen an den Beinen. Aber ich bin zunächst bei der schlichten Variante geblieben.

Mein Stoff ist ein etwas gröberer Baumwollstoff mit Köperbindung (das ergibt diese leichte Diagonalstruktur, die man von vielen festeren Stoffen kennt) und einem geringen Stretchanteil. Genau diese geringe Dehnbarkeit ist wichtig für die Passform und auch den Tragekomfort. Total egoistisch habe ich schwarz gewählt, jede andere Farbe wäre besser zu fotografieren gewesen :-), so müsst Ihr Euch die Details eben bei Monika und den anderen Designbeispielen ansehen… Die Hose wird mit 3 Knöpfen oben geschlossen, schick und einfach.

Um alle zu animieren, es doch auch mal mit einer Hose zu versuchen, gibt es ab heute bis einschließlich Sonntag (03.03.2019) 15% Rabatt auf alle Hosenstoffe! Das eBook findet Ihr nicht nur bei Monika, sondern auch bei mir im Shop. Ich bin sehr gespannt auf Eure Beispiele!

Schnittmuster: ichbineinHOSEnträger von schneidernmeistern

Material: Baumwollköper mit geringem Stretchanteil

verlinkt mit: sewlala, dufürdich

 

Der erste Monat des Jahres ist vergangen – allein das ist schon unglaublich. Was ist geschehen, was habe ich umsetzen können von meinem Vorsatzkatalog für 2019? Ich bin entspannter gestartet und es fühlt sich auch immer noch gut an. Obwohl ich recht spontan von einem auf den nächsten Tag entschieden habe, nach München zur Munich Fabric Start zu reisen und auch privat einige unvorhersehbare Ereignisse geschehen sind, hat es mich noch nicht zerrissen. Ich werte das als richtig gutes Zeichen und beschließe den Kurs beizubehalten.

Und die vernetzte Garderobe? Ich habe 2 von 4 anvisierten Projekten genäht, das sind nur 50%, aber eben auch immerhin 50% (Glas halb voll und so). Der Plan waren ein warmer Cardigan jOne, dazu passend 2 Shirts und eine Hose. Die Hose habe ich aus unterschiedlichen Gründen in den Februar geschoben und das eine Shirt ist so schön geworden, dass ich statt des Zweiten eine yello_bag genäht habe. Ihr merkt, ich habe ein Talent dazu die Dinge positiv auszudrücken :-))! Mal schauen, wie weit Sindy so gekommen ist? Wir haben den Januar hindurch eher parallel als zusammen genäht. Der Plan ist, mal das gleiche und auch mal unterschiedliche Themen anzugehen, je nachdem, was gerade anliegt.

jONe von Prülla ist richtig schön geworden. Dick und warm zum wärmen und wohlfühlen. Zunächst hatte ich Sorge, dass der Strick zu voluminös sein könnte, aber das war unbegründet wie man sieht. Eine wollige Jacke ist eben eine wollige Jacke. Und selbst im Taschenbereich gibt es keine Konflikte. Das Einzige, das ich auch im Nachhinein noch verfluche, ist der Handsaum. Um den Wulst zu vermeiden, wollte ich ihn auf keinen Fall mit der Maschine nähen. Und das hat deutlich länger gedauert als befürchtet. Ich habe mich selbst in der Turnhalle beim Fußballtraining der Kids als Handarbeiterin geoutet weil ich endlich fertig werden wollte. Aber es hat sich gelohnt, fast unsichtbar würde ich sagen.

Das Shirt ist ein feines Irmchen von echt Knorke, ein Schnitt, den ich schon länger an vielen anderen von Euch bewundert habe. Jetzt habe ich auch eines. Genäht aus diesem weichen feinen Strick mit Streifen. Das Material ist so schön zart, dass es sich perfekt auch für untendrunter eignet. Und wenn bei den anderen die Streifen so perfekt matchen, dann wollte ich das natürlich auch schaffen. Yes! Ein sehr schönes Oberteil, besonders der halbhohe Turtleneck gefällt mir sehr gut.

Und nun, tadaaa! Die Kombination. Ich bin sehr zufrieden, kann beides perfekt zusammen tragen, aber natürlich auch einzeln.

Ihr müsst natürlich auch unbedingt bei Mein gewisses Etwas vorbei schauen. Dort erfahrt Ihr, was aus ihren Plänen geworden ist. Ihr Projekt war ein Blazer, also durchaus ein anderes Kleidungsstück als mein Cardigan, aber beide haben wir eine Indoorjacke mit etwas drunter genäht. Also irgendwie doch das Gleiche :-)

Für den Februar sind wir noch am planen, bzw. müssen wir uns noch zwischen zwei Themen entscheiden. Aber eines ist sicher: es wird spannend und schön! Details dazu in Kürze.

 

Schnittmuster: Cardigan jOne von Prülla, darunter das feine Irmchen von echtknorke

Material: Grober Wollstrick und feiner Streifenstrick

Achtung: Werbung, da ich beide Schnittmuster zur Verfügung gestellt bekam, hier auch verlinke und außerdem auch noch schreibe, dass ich sie toll finde …

 

Ein aufregendes Jahr geht zu Ende! Im Grunde ist das ja jedes Jahr so. Und eigentlich ist es ja auch egal, ob es tatsächlich turbulenter war oder ob ich das nur so empfinde. Der größte Meilenstein bei mir war mit Sicherheit die längst überfällige Eröffnung des eigenen Onlineshops. Rückblickend die beste Entscheidung seit Langem und auch nicht wirklich verständlich, warum ich dieses Thema nicht schon vor 2 Jahren konsequenter angegangen bin. Aber auch diese Überlegung ist hinfällig. Das Wichtige ist, es ist geschafft! Und auch bisher sehr erfolgreich. Daran habt Ihr großen Anteil. Ich danke Euch herzlich für Euer Vertrauen und Eure Treue!

Fakt ist (leider) auch, dass der neue Webshop mehr Aufmerksamkeit und damit mehr Zeit erfordert. Ich klammere die Einschränkung ein, weil der Mehraufwand ja durchaus Zeichen des Erfolgs ist. Aber gleichzeitig bedeutet es, dass ich mich 2019 neu strukturieren muss. Ich werde gezielter arbeiten und Prioritäten setzen (müssen). Das heißt aber auch, dass bestimmte Dinge rausfallen werden. Schweren Herzens werde ich mich nach einer kurzen Übergangszeit von den Nähkursen trennen. Der Entschluss liegt schon länger in der Luft und jetzt geht es nicht mehr anders. Viele andere Läden haben bereits ähnliche Entscheidungen getroffen und ich kann das gut verstehen. Man kann nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. So überlasse ich dieses interessante Feld jetzt anderen tollen Ateliers, die vielleicht mehr Nähschule als auch noch Stoffgeschäft und Onlinehandel sind. Die Infrastruktur wird vorerst bleiben, so dass auch immer mal wieder special events und Nähpartys stattfinden können. Aber eben nur noch nach Vereinbarung und nicht mehr regelmäßig.

Aber auch über das Organisatorische hinaus reflektiere ich das zu Ende gehende Jahr und langsam formen sich konkrete Ideen und Wünsche für 2019. Es wird spannend! Ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen kristallisiert sich folgendes Ziel heraus.

Ich nähe viel. Und schnell. Und immer liebe ich es. Ich bin kontinuierlich umgeben von den tollsten Stoffen – lebe quasi im Stoffhimmel – und alle paar Tage kommt neue Ware. Mein Hirn kreiert permanent neue Projekte, Kombinationen und Ideen. Was liegt näher als ein kleiner Nähquickie kurz vor Feierabend? Es ist nicht so, dass ich kopflos irgendwelche Kleidungsstücke nähen würde, die mir hinterher nicht gefallen. Ich bin mir immer sehr sicher. Aber es ist schon so, dass ich oftmals sehr spontan und isoliert entscheide. Isoliert insofern, als dass ich z. B. den Sweater, den ich dann nähe, nur als schönes Einzelstück betrachte und vorher nicht darüber nachdenke, wie er in den Kleiderschrank passt, womit ich ihn kombinieren kann oder möchte und ob ich nicht eher eine Bluse bräuchte.

Das führt dazu, dass mein Kleiderschrank voller schicker Einzelteile ist und sich die kombinierten Outfits eher zufällig ergeben. Das führt auch dazu, dass ich oftmals einfach das Gleiche anziehe, weil es sich einfach bewährt hat und weil ich nicht nachdenken oder ausprobieren muss. Sehr gern sind es Kleider, weil man dann GAR NICHT kombinieren muss, sondern mit nur einem Teil perfekt angezogen ist. Ich liebe Kleider und das wird auch so bleiben – schließlich gibt es noch andere Gründe Kleider zu lieben. Aber dennoch wünsche ich mir mehr Struktur in den Projekten. Mehr Planung und Ziel.

Anfangen muss es mit einer Analyse des Ist-Zustands. Nicht nur, was hab ich im Kleiderschrank und was fehlt noch. Sondern vor allem, was ziehe ich wirklich an, wie ist mein Kleidungsverhalten. Meinen Stil kenne ich, da muss ich nicht lang analysieren. Aber wie oft trage ich welche Art von Kleidung. Wieso ziehe ich z. B. bestimmte Hosen so selten an. Liegt es daran, dass mir das passende Oberteil fehlt? In Farbe mag es da sein, aber in Länge und Weite? Was bewährt sich im Alltag? Schick ja, aber auch warm genug für den Tag im Laden z. B.?. Ich werde Theorie und Praxis kritisch miteinander abgleichen müssen.

Im Grunde sind dies alles ganz simple Gedanken und auch von neuen Erkenntnissen keine Spur. Aber ganz offensichtlich muss ich mir genau diese Überlegungen tatsächlich regelrecht vornehmen um gezielter vorgehen zu können.

Wie gut, dass ich eine perfekte Diskussionspartnerin gefunden habe! Sindy von Mein gewisses Etwas und ich werden diesen Weg 2019 gemeinsam verfolgen. Nicht 100% parallel mit den gleichen Schnittmustern und auch unsere Zielsetzung würden wir anders definieren. Lest unbedingt auch bei Ihr, wie sie ihren Hashtag #vernetztegardeobe beschreibt. Aber in engem Diskurs mit gegenseitigen Tipps, Verlinkungen und gemeinsamen Projekten. Ich freue mich total und begreife es als große Herausforderung. Es packt eines meiner Grundthemen an. Schnelligkeit und Spontanität sind nicht mein Problem. Eher das Innehalten und nochmalige Reflektieren. Ich bin ein Gefühlsmensch. Durchaus mit Planungsqualitäten. Aber ich muss eben noch am Gleichgewicht arbeiten :-))

Wir werden monatlich vorgehen. Und Euch auch schon immer zeitig mit auf die Reise nehmen, denn nicht nur aufs Ergebnis, sondern auch auf den Prozess kommt es an. Sindys Januar Projekt wird ein Blazer sein. Das klingt für mich sehr reizvoll. Aber hier geht es schon los. Mein Alltag erfordert eher eine Indoorjacke als einen Blazer. Einen Cardigan, den man im Laden schnell mal überwerfen kann. Blazeranlässe habe ich selten – leider. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Aber zunächst wünsche ich vor allem eines: Euch allen einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes 2019!

 

Nachdem wir jetzt so viele jahreszeitenunabhängige Kleidungsstücke, wie Blusen, Röcke und Sweater gesehen haben,  nähern wir uns heute winterlicheren Projekten! Tatiana von tillit. hat sich einen unglaublich coolen Wollstrick ausgesucht und daraus einen Cardigan jOne von Prülla genäht.

Der Strick ist richtig wollig mit genau dem richtigen Volumen für solche Jacken wie diese. Die Oberfläche ist leicht boucliert mit Streifen, so dass sich eine schöne Struktur ergibt. Ein richtiges Wohlfühlteil, perfekt für die kalten Jahreszeiten. Wie gut, dass Danie gleich 2 Schnittmuster (ein eBook und einen Papierschnitt) zum Verlosen in den Topf geschmissen hat! Wer sich beteiligen möchte, der schaut bei mir auf Instagram vorbei :-)

Natürlich gibt es auch heute wieder eine Stoffart des Tages. 15% auf diesen und andere grobe Strickstoffe!

Im Interview steht heute, wie könnte es anders sein? Danie von Prülla. Wir sind uns bisher tatsächlich noch nie in Wirklichkeit begegnet, was daran liegt, dass Danies h&h Tage in Köln immer andere waren als meine. Aber ich bin sicher, irgendwann klappt es und bis dahin bewundere und like ich weiterhin fleißig auf Instagram.

Woher nimmst Du Deine Inspiration?

Danie: Überall her. Ich schaue mir immer wieder andere Leute in der Stadt an, streife durch Geschäfte und mache mir Gedanken, was MIR fehlt. Wo bei mir der Haken an einem Kleidungsstück liegt und wie ich es besser für mich umsetzen kann.

Inwieweit beeinflussen Dich aktuelle Modetrends?

Danie: Ich glaube, recht wenig. Ich sehe sie mir gern an. Nähe mir dann aber eher Teile, die langlebiger – auch vom Stil her – sind.

Welches ist dein Lieblingsschnittmuster aus Deiner eigenen Kollektion?

Danie: Puuuh… Im Moment wohl der Hudie. Aber auch julika als Shorts gibt es reichlich. jErika und Hazel natürlich auch. Und bellah. Ich schleppe jeden Tag eine yello bag oder eine citie bag mit mir rum. Meine Schnittmuster sind eben Basicteile, die ich ja wegen dem alltäglichen Gebrauch und der Vielfältigkeit, sie zu tragen, immer wieder gern nähe.

Welches ist Dein Lieblingsschnittmuster anderer?

Danie: Auch da gibt es eine ganze Menge. Elle Puls‘ Shirtbox mag ich sehr. Aber auch Echt Knorkes Tante Hertha. Oder Juni Design’s Schnittmuster. Schneidernmeistern’s Else habe ich hoch und runter genäht. Freuleins Betty ebenso. Und die Schnitte von Studioschnittreif… Bestimmt vergesse ich hier jetzt einige. Es gibt wirklich viele „fremde“ Schnittmuster bei mir. Ich mag diese bunte Mischung sehr.

Wenn ich richtig informiert bin, dann ist Dein Label nicht Dein Hauptberuf. Trotzdem bist Du ungeheuer aktiv und kommst auch immer mit einer ganz besonderen Leichtigkeit daher. Ganz plumpe Frage, aber wie schaffst Du das?

Danie: Vielen Dank! Nähen ist für mich einfach ein sehr erfüllender Ausgleich zum Büroalltag. Ich arbeite oft an sehr langfristigen Aufträgen, da ist es schön, wenn ich beim Nähen nach wenigen Stunden ein fertiges Teil in den Händen halte.

Außerdem fotografiere ich gern und habe kein Problem, vor der Kamera zu stehen *grins*. Dafür fallen meine Texte eher kurz und sachlich aus.

Könntest Du Dir auch vorstellen, Dein Schnittmusterlabel hauptberuflich zu machen?

Danie: Nein, ich liebe meinen Beruf.

Wenn mein Tag (für einen begrenzten Zeitraum) 48 Stunden hätte, dann würde ich:

Danie: Mehr schlafen ;-)

Der Anteil selbstgenähter Teile in meinem Kleiderschrank beträgt  86  % (Unterwäsche und Socken ausgenommen).

 

Schnittmuster: Cardigan jOne von Prülla

Material: grober Wollstrick,

 

Wenn Ihr auch die anderen 1000stoffgeburtstagsprojekte anschauen wollt, dann klickt Euch einfach durch:

Montag, 26.11. „Die kleine Schwarze“ bei Mein anderes ich

Dienstag, 27.11. wrapped Hose bei eleonore creative

Mittwoch, 28.11. Cheyenne Tunika bei naadisnaa

Donnerstag, 29.11. Else bei Schneidernmeistern und einfachkarl_original

Freitag, 30.11., Rock Nr. 1 bei untermeinemdach und Interview mit rosa p. 

 

Es wird es international! Nachdem wir gestern viel vom Schnittduett und vorgestern viel von ellepuls erfahren haben, habe ich heute Annika von Näh-Connection im Interview. Sie ist selber keine Schnittmusterdesignerin, sondern so etwas wie ein internationaler Schnittmusterscout, sie spürt interessante englische Schnitte auf, verhandelt mit den entsprechenden Labels, übersetzt die Schnitte ins Deutsche und vertreibt sie hier.

So z. B. auch das Schnittmuster für die Cheyenne von Hey June Patterns, die sich Kathrin von naadisnaa aus beerenfarbenem Flanell für die 1000stoffparty genäht hat. Mir gefällt ihre Tunika ungeheuer gut, genau die richtige Mischung zwischen lässig und wertig, mit so viel Liebe zum Detail, ein Teil für jeden Tag und zum richtig Wohlfühlen.

Aus gegebenem Anlass gibt es übrigens 15 % Rabatt auf alle Flanells im Shop :-). Und Annika hat uns ein ebook für die Cheyenne zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Zum Gewinnen einfach bei Instagram @1000stoff schauen und kommentieren.

Aber jetzt zu Annika. Wir haben uns sogar schon persönlich kennenlernen dürfen und zwar hier bei mir im Laden. Bei einem Berlinbesuch hat sie mich mit ihrer ganzen (damals noch um 1 Person kleineren) Familie besucht und wir hatten einen sehr netten Plausch. Es war eine dieser Begegnungen mit der Erkenntnis: sie ist ja wirklich so nett wie sie in den sozialen Netzwerken wirkt :-)

Deine Idee ist ja genial. Der internationale Schnittmustermarkt ist riesig, aber viele schrecken vor englischen Anleitungen zurück, denn selbst wenn man einigermaßen Englisch spricht, ist das Fachvokabular doch noch mal etwas anderes. Diese Schnitte auf Deutsch anzubieten, ist sehr clever. Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Ich bin selbst zuerst über englische Nähblogs und -schnitte gestolpert. In der Tat habe mit dem Nähen begonnen, weil ich kaum glauben konnte, was für tolle Sachen, die für sich und ihre Kinder genäht haben. Ich kannte lange Zeit für vieles deshalb auch nur den englischen Begriff. „Bias Tape“, „right sides together“ oder „pin and sew“ waren für mich das normalste auf der Welt. Erst viel später habe ich die deutschen Nähblogs entdeckt und festgestellt, dass diese beiden Blog- und Nähwelten in vielem sehr unterschiedlich sind und die meisten kaum mit englischen Schnitten nähen. Da ich zu dem Zeitpunkt bereits viele englischsprachige Blogger und Designer gut kannte, lag es nahe, mit ihnen gemeinsam an Übersetzungen zu arbeiten.

Wie gehst Du vor? Gehst Du auf die Schnittmusterlabel zu und übersetzt die Anleitungen dann selbst?

Ja, in fast allen Fällen läuft es genau so. Ich schreibe die Designer an, stelle mich und mein Konzept vor und übersetze dann für sie. Die Designer bekommen dann von jedem verkauften Schnitt einen Anteil.
Manchmal, z. B. bei itch to stitch oder sew sweetness, haben die Designer jedoch schon deutsche Übersetzungen von einigen ihrer Schnitte. Dann übernehme ich diese direkt.

Wie wählst Du die Schnittmuster aus, die Du in Deutscher Übersetzung anbietest?

Puh, da spielt vieles mit rein. Einerseits möchte ich gern Schnitte, die etwas Besonderes sind, die es so noch nicht in Deutschland gibt. Andererseits versuche ich natürlich auch eine gute Mischung in den Shop zu bekommen. Normalerweise plane ich eine ganze Weile im Voraus, welche Schnitte ich wann übersetze und rausbringe, aber du weißt ja: „Erstens kommt es anders und zweitens als du denkst.“ Da macht die eine Designerin doch noch einen Rückzieher, weil sie grad nicht so viel Zeit hat, die nächste schickt mir eine überarbeitete Version eines Schnittes, bei der plötzlich die Anleitung ganz anders aufgebaut ist und dann sehe ich noch einen tollen neuen Schnitt, den ich einfach sofort haben möchte.

Inwieweit beeinflussen Dich hier aktuelle Modetrends?

Eigentlich achte ich nicht mehr allzu sehr auf aktuelle Modetrends. Ich folge jedoch einer riesigen Menge englischsprachiger bzw. generell internationaler Nähblogs und bin ja immer auf der Suche nach neuen Schnitten. Da viele Designer sich sehr wohl an aktuellen Trends orientieren, gibt es auch bei den Schnitten oft sehr eindeutige Trends. Interessanterweise sind diese aber nicht immer genau so auch in Deutschland zu finden. Im englischsprachigen Raum hat zum Beispiel in den letzten Jahren praktisch jeder Designer mindestens einen Jumpsuit oder Overallschnitt rausgebracht. Die gibt’s hier natürlich auch, aber es ist nicht ganz so ein Massenphanömen. Ob also ein internationales Design hier landet, ist manchmal gar nicht so leicht abzuschätzen.

Welches ist dein Lieblingsschnittmuster aus Deiner Kollektion?

Woah, jetzt wird’s schwierig. Also einen einzigen kann ich da nicht aussuchen. Machen wir einen aus jeder Kategorie? Für mich selbst mag ich den Opal Cardigan am liebsten. Der ist einfach perfekt für all die schönen Jacquards, die in den letzten Jahren so aufgetaucht sind. Ich hab ihn inzwischen in allen möglichen Längen und trag ihn gerade in der Übergangszeit, aber auch jetzt im Winter abends zum gemütlichen Einkuscheln auf dem Sofa total gern. Für meine Töchter mag ich das Janie Dress, ein Jerseykleid mit Tellerrock und ganz vielen Ausschnittvarianten sehr, sehr gerne. Und für meinen Sohn muss jedes Jahr mindestens ein Beachy Boatneck, ein lässig geschnittenes Shirt mit U-Bootausschnitt und abgerundetem Saum, her.

Du betreibst Naehconnection ja noch nicht hauptberuflich. Könntest Du Dir das vorstellen? Aus eigner Erfahrung weiß ich, dass die Projekte, die man mit Leidenschaft betreibt, einen fast in jeder Minute des Tages gedanklich begleiten. Ich stelle mir den Spagat zwischen Familie, Herzensprojekt und Beruf sehr schwierig vor und habe daher höchsten Respekt.

Ohja, da hast du so Recht. Aktuell bin ich ja in Elternzeit. Unsere kleinste Maus wird demnächst ein Jahr alt. Genau aus den von dir oben aufgeführten Gründen nehme ich dieses Mal drei volle Jahre Elternzeit, während ich bei den Großen jeweils nach einem Jahr zurück zum Arbeiten an die Uni gegangen bin. Da ich nach München pendeln muss (knapp 2h einfach), ist das für die Familie nicht ganz einfach. Eigentlich wollte ich ja schon immer Wissenschaftler sein und hab das auch mit viel Begeisterung gemacht, aber in den letzten Jahren ist Näh-Connection wirklich immer wichtiger für mich geworden und kann ich mich dort mehr verwirklichen. Mein Wunsch ist also inzwischen schon, mich voll auf Näh-Connection zu konzentrieren. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob ich Näh-Connection hauptberuflich betreiben kann oder ob ich eher wieder in die Wissenschaft einsteige und dann den Shop schließe.

Wenn mein Tag (für einen begrenzten Zeitraum) 48 Stunden hätte, dann würde ich:

… mich freuen, dass der Vormittag endlich mehr Stunden hat, die ich zum Arbeiten nützen kann. Nach dem Essen und Hausaufgaben machen würde ich mit den Kindern direkt in die Berge zum Wandern oder Skifahren düsen bzw. bei schlechtem Wetter zum Schwimmen ins Hallenbad gehen. Und abends, wenn dann die Kinder im Bett sind, würde ich zuerst endlich mal in Ruhe ein Gespräch mit meinem Mann zu Ende führen und dann, während er sich Männersendungen auf DMAX anschaut, nähen, nähen, nähen.

Der Anteil selbstgenähter Teile in meinem Kleiderschrank beträgt 50%.

Ich kaufe zwar schon seit längerer Zeit kaum mehr Kleidung, aber in Sachen Nachhaltigkeit fände ich nichts fragwürdiger, als nun plötzlich all die Kaufklamotten, die ich schon habe, in die Tonne zu kippen. Hier wird einfach Stück für Stück ersetzt…

 

Schnittmuster: Cheyenne Tunika

Material: Baumwollflanell Robert Kaufman, heute (28.11.) alle Flanells mit 15% Rabatt

Wenn Ihr auch die anderen 1000stoffgeburtstagsprojekte anschauen wollt, dann klickt Euch einfach durch:

Montag, 26.11. „Die kleine Schwarze“ bei Mein anderes ich

Dienstag, 27.11. wrapped Hose bei eleonore creative

 

Nachdem wir gestern viel von Elke Ellepuls lesen durften, habe ich heute ein Duo im Interview. Grund für meine Interviewpartnerinnen ist Viviens Schnittmusterwahl, sie hat eine großartige „Wrapped Hose“ vom Schnittduett genäht. Ich gebe offen zu, dass ich noch keine dieser Hosen im Schrank hängen habe, aber wenn ich diese hier sehe, dann ist das eigentlich ein unhaltbarer Zustand und damit wandert sie ganz oben auf meine To-Sew-Liste. Ich halte Euch auf dem Laufenden :-)

Vivien hat für ihre „wrapped“ eine sehr schicken Popelinestoff aus Baumwolle und Viskose mit einem geringen Stretchanteil (für eine besonders gute Passform) gewählt, der meiner Meinung nach perfekt ist für Hosen (aber auch Kleider etc..). Den gleichen Stoff gibt es in unterschiedlichen Farben und heute mit 15%  Rabatt für Euch.

Auf Instagram darf ich bei @1000stoff wieder ein ebook für die Hose verlosen, also hüpft auch dort noch rasch vorbei!

Aber jetzt zum Interview:

Anja und Selmin bilden gemeinsam das Schnittduett, das gestern mit seiner dritten Kollektion an den Start gegangen ist. Anja habe ich leider noch nicht persönlich getroffen und Selmin auch nur für einen kurzen Plausch auf der h & h in Köln, aber ich bin mir sicher, das holen wir bei nächster Gelegenheit nach.

Woher nehmt Ihr Eure Inspiration?

Anja + Selmin: Das ist ganz unterschiedlich. Oft sind es Frauen, die uns auf der Straße begegnen oder in unserem Freundeskreis, die ein tolles Teil tragen oder kombiniert haben. Es kann dann auch schon mal passieren, dass wir uns Samstags vom Wochenmarkt ein Foto einer Frau zusenden, deren Jacke uns gefällt und die netterweise für uns posiert hat. Wir lassen uns natürlich auch von aktuellen oder kommenden Trends aus der Modewelt inspirieren und fokussieren uns auf die Details und Schnitte, die wir beide schon immer mögen und auch selbst tragen würden. In jeden Schnitt fließt etwas von uns beiden ein. Alle unsere Kollektionen enthalten Elemente, die wir beide schon immer einmal im Kleiderschrank haben wollten.

Inwieweit beeinflussen Euch aktuelle Modetrends?

Anja + Selmin: Alleine durch das Blättern durch Zeitschriften, Pinterest und den täglichen Blick in unsere Social Media Kanäle werden wir im Überfluss mit den aktuellen Trends konfrontiert. Natürlich spielt das dann auch beider Kollektionserstellung eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete. Denn es ist uns zwar wichtig, dass unsere Schnitte auch mit aktuellen Trendstoffen und -mustern genäht werden können. Dennoch versuchen wir, die Schnitte zeitlos und wandelbar zu designen, damit die Stücke für die Schnittduett-Kundinnen lange tragbar sind. Teile für die Ewigkeit.

Welches ist Euer Lieblingsschnittmuster aus Eurer eigenen Kollektion?

Selmin: Oh Gott, das kann ich nicht sagen, ich hab sie alle gleich lieb. Aber man munkelt, dass ich schon eine stolze Sammlung Wrapped Hosen in meinem Kleiderschrank habe.

Anja: Es kommt auf die Jahreszeit an. Aber ich glaube, ich werde unsere neue Modular Collection hoch und runter nähen. Es gibt so viele Kombinationsmöglichkeiten, dass mir die Ideen sicher nicht so schnell ausgehen. Und die ganzen Pattern-Hacks, die wir für die anderen Schnitte noch im Kopf haben. Lasst Euch überraschen.

Welches ist Euer jeweiliges Lieblingsschnittmuster anderer?

Selmin: Ich liebe das Kalle Shirt Dress von Closet Case Patterns, ein puristischer Klassiker in mehreren Versionen in meinem Kleiderschrank.

Anja: Ich mag mein Reeta Dress von named sehr gerne. Ich habe es in meinem Blogpost das „Wohnzimmerkleid“ genannt, weil es einfach so verdammt bequem ist.

Ihr arbeitet als Duett zusammen. Das finde ich eine mutige Sache, da man im kreativen Prozess ja auch sehr persönlich arbeitet. Wie habt Ihr Euch gefunden, bzw. wie seid Ihr auf die Idee gekommen gemeinsame Sache zu machen? Hat jeder von Euch seine Schwerpunkte oder entwickelt Ihr Eure Projekte größtenteils gemeinsam?

Selmin: Ich finde eher die Leute mutig, die ganz alleine so ein Business, gerade in der Handarbeitsbranche starten. In meinen eigenen freiberuflichen Dingen finde ich es ganz schwer, Entscheidungen alleine zu treffen. Mit Anja kann ich mich immer austauschen. Für mich ist es wichtig, beim gemeinsamen Arbeiten das Konkurrenzdenken auszuschalten und sich gemeinsam ein Ziel zu definieren, auf das man zusammen hinarbeiten möchte. Das bedeutet auch, dass ich Platz mache für dieses gemeinsame berufliche Ziel.

Anja hat mir vor zwei Jahren eine Mail geschrieben, ob ich Lust hätte auf einen gemeinsamen Kaffee. Wir kannten uns bis dahin nur von eins bis zwei Treffen auf Bloggerveranstaltungen. Wir waren beide Kölnerinnen und fanden uns beide sympathisch. Beim gemeinsamen Kaffeetermin haben wir einander von unseren beiden Visionen erzählt und irgendwann kam die Idee einer kleinen gemeinsamen Kollektion. Es sollte eigentlich eine kleine Pop-Up Collection werden, die nur ca. 4 Monate auf dem Markt ist. Ich bin total beflügelt nach Hause, hab Ideen zusammengeschrieben, und bei unserem nächsten Treffen standen schon die ersten Entwürfe. Es hat allerdings ein Jahr gedauert, bis wir unsere Kollektion so rund hatten, dass wir starten konnten. Durch all die Arbeit, die wir hineininvestiert haben, haben wir beschlossen, dass wir doch länger das Schnittduett bleiben möchten. Wir haben einen Vertrag aufgesetzt, was eine großartige Idee war, denn das führte dazu, dass nicht nur alle Träumereinen miteinander geteilt werden, sondern auch die Dinge, die wichtig für die jeweilige andere sind. Es wurden offen Ängste und Bedenken ausgesprochen und alles vertraglich festgehalten.

Anja: Natürlich kann man zu zweit nicht jede Spinnerei, die einem selbst in den Kopf kommt, direkt umsetzen. Man muss diskutieren und Kompromisse eingehen. Aber das kann auch gut und nützlich sein.

Denn oft reicht ein Blick der anderen, der einem sagt: „What?? Du spinnst wohl!“ Und schon arbeitet man wieder fokussiert am eigentlichen Projekt ohne sich zu verzetteln. Ich finde die gemeinsame Arbeit und der Austausch helfen enorm dabei, die Projekte auf den Punkt und zielstrebig umzusetzen. Oder aber, ganz umgekehrt, der Blick des anderen bekommt den gleichen irren Ausdruck und wir springen kopfüber gemeinsam in die Idee, um das ein oder andere kleine Projekt dazwischen zu schieben. Glücklicherweise sind wir beide ähnlich verrückt.

Wir haben feste Routineaufgaben, die wir aus Effizienzgründen nach Erfahrung und Fertigkeiten des jeweils anderen aufgeteilt haben. Aber der andere schaut immer noch einmal drüber, weil vier Augen besser als nur zwei sind. Wir ergänzen uns hier einfach ganz wunderbar.

Nun ist Schnittduett bei Euch beiden ja nur ein Teil des Jobs, Ihr habt beide noch andere Schwerpunkte, die Ihr unabhängig voneinander verfolgt. Hut ab! Sich selbstständig und hauptberuflich in dieser DIY Szene zu behaupten, ist meiner eigenen Erfahrung nach ein Job ohne Feierabend. Ideen hätte ich selber auch noch Hunderte, aber mir fehlt schlichtweg die Zeit. Wie schafft Ihr das?

Anja + Selmin: Beim Annehmen von neuen Projekten oder Anfragen priorisieren wir schon. Gerade in der Zeit vor Erscheinen einer Kollektion, sind wir beide ziemlich unter Strom und die Schnitte benötigen unsere ganze Aufmerksamkeit und Konzentration. Da werden auch schonmal Anfragen abgelehnt und die ganze Kraft ins Schnittduett gesteckt. Trotzdem leistet jeder immer nur das, was er gerade in seiner beruflichen und persönlichen Situation leisten kann.

Wir haben uns grobe Ziele gesetzt aber beide von Anfang an gesagt, dass wir uns gerade im ersten Jahr nicht unter Druck setzen möchten und das Tempo fahren, das uns möglich ist. Dazu müssen wir viel kommunizieren. Wir haben von Anfang an vieles vertraglich festgehalten, damit bestimmte berufliche Dinge geklärt sind, bevor es zu Missverständnissen kommen kann. Wir sprechen anderweitige berufliche Projekte vorher miteinander ab, so dass der andere weiß, wieviel Power in welchen Phasen ins Schnittduett fließen kann. Es gibt immer Zeiten, in denen die andere mehr macht und dann wieder weniger, weil es beruflich oder privat nicht anders geht. Und das ist auch das, was wir bei der Zusammenarbeit zu zweit schätzen. Es ist immer jemand da, die den Rücken freihält. Und auch immer eine, die sagt: Jetzt mach mal Feierabend, morgen ist auch noch ein Tag. Und wenn beide gerade nicht können, dann bleibt die Arbeit halt auch mal liegen.

Wenn Euer Tag (für einen begrenzten Zeitraum) 48 Stunden hätte, dann würdet Ihr:

Endlich mal die vollen 24 Stunden für unsere Ideen, Projekte und To-Dos verwenden um mehr und schneller in die Umsetzung zu gehen. Freizeit, Familie, Schlafen, Essen und Atmen passt ja dann in den anderen 24 Stunden.

Der Anteil selbstgnähter Teile in Eurem Kleiderschrank beträgt  wieviel Prozent?

Selmin: Ich glaube, es sind so 80% – 90%:-)

Anja: Ich denke, es sind ca 50%? Aber stetig wachsend, weil ich kaum noch etwas kaufen kann, ohne den Gedanken „Ach, mache ich selbst“.

 

Schnittmuster: Wrapped Hose, Kollektion „Wrapped“ vom Schnittduett

Material: heute mit 15% Rabatt: Popeline mit Stretchanteil 

Beim Anblick dieses Schnittmuster ist mir aufgefallen, dass es vergleichbar wenig aktuelle Rockschnitte gibt. Oder täusche ich mich? Kann eigentlich nicht sein, denn ich nähe und trage gern Röcke. Also hat rosa p. mir einen großen Gefallen getan. Und dann auch noch mit Falten! Besser hätte sie meinen Geschmack nicht treffen können.

Der Rock hat vorn wie hinten jeweils 4 Falten und erreicht daher am unterem Saum eine schöne Weite. Natürlich springen die Falten auf und erzeugen dadurch Volumen (man könnte also Angst haben, der Rock mache dick). Aber durch die schön breite Passe oben ist der Rock an der Hüfte schmal und trägt daher  nicht auf (also Trugschluss:-)).

Es gibt 2 unterschiedliche Längenvorschläge, ich habe hier die längere Version gewählt. Sie geht ein paar Zentimeter übers Knie hinweg und gefällt mir sehr gut.

Der Stoff ist eine Popeline aus Baumwolle und Viskose mit einem geringen Stretchanteil. Er hat einen dezenten Glanz und ein wenig Stand, so dass die Falten gut zur Geltung kommen. Der Stretchanteil sorgt für eine gute Passform und ein angenehmes Tragegefühl. Perfect match würde ich sagen!

Schnittmuster: Rock Nr. 1 von rosa p.

Material: Stretch Popeline aus Baumwolle und Viskose

verlinkt mit: sewlala und dufürdich

Ich komme gar nicht hinterher! Ich bin noch nicht einmal durch mit meiner ersten Top 5 der Nähen-Wollen-Kleider, da gibt es schon wieder neue Schnittmuster, die unbedingt ergänzt werden müssen. Aber immer schön der Reihe nach, denn dieses Kleid, der box pleat dress von The Assembly Line aus Schweden ist einige Wort und vor allem Fotos wert.

Ich erwähne es nicht zum ersten Mal, ich liebe Kellerfalten. Vorn, hinten, oben, Mitte, Seite, ganz egal. Weil auf einer Fläche etwas Dreidimensionales passiert (ich kann meine Herkunft als Architektin halt doch nicht leugnen :-)). Daher war klar, dieses Kleid muss in meinen Kleiderschrank.

Ansonsten ist der Schnitt sehr schlicht gehalten. A-Linie mit rundem Hals und kimonoartig ausgestellten Ärmeln. Es brauchte einen Stoff mit etwas Stand und dennoch natürlich nicht zu fest. Überall sieht man derzeit Glencheck Karos und auch das fällt noch genau in mein Beuteschema: schlicht und grafisch. Der Stoff besitzt eine gewisse Dehnbarkeit, die man für dieses Kleid ob der Weite nun nicht unbedingt benötigt, aber schaden tut sie auch nicht.

The Assembly Line patterns vertreiben ihre tollen Schnittmuster als Einzelgrößenschnitte. Also muss man beim Kauf bereits eine Größenentscheidung treffen. Aber da die Schnitte recht großzügig geschnitten sind, ist das im Grunde kein Problem. Dieses hier ist eine M, wobei ich genauso eine S hätte nähen können (und vielleicht auch sollen. Wobei mich die Weite nicht stört, auch eine S wäre weit gewesen und das ist ja auch so gewollt).

Auch die anderen Schnittmuster dieses Labels sind wahnsinnig schön. Eine absolute Neuentdeckung. Sprechen mich total an, fast alle. Ich scheine 100%ig ihrer Zielgruppe zu entsprechen. Auch ein schönes Gefühl! Da wird die Versuchung, mir etwas im Laden zu kaufen, immer geringer und die Bestätigung der slowfashion immer größer. Weil es nämlich auch selbstgenäht perfekt geht – auch wenn man hohe Ansprüche hat!

Schnittmuster: box pleat dress, the assembly line patterns

Material: Glencheck mit Stretchanteil

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Ein Mantel ist ja immer ein größeres Projekt – und nach getaner Arbeit ist Stolz angemessen. Aber es muss nicht immer komplex sein. Dieser Mantel „The Strand“ von Merchant and Mills ist ein großartiger Schnitt. Ganz schlicht und dennoch mit cleveren Details. Vielleicht gefällt er mir auch so besonders gut, weil ich vor etlichen Jahren mal einen sündhaften teuren Mantel hatte, der diesem hier sehr ähnelt? Das trifft es genau, denn vor allem bei derart prominenten Kleidungsstücken bin ich äußerst anspruchsvoll. Selbstgemachter Look geht hier gar nicht, dann ziehe ich es nicht an. Es muss alles stimmen, nicht nur die Passform, sondern auch das Material, die Details und die Verarbeitung.

Bei der Verarbeitung kann man sich entweder verkünsteln – oder man trifft auf einen schlauen Schnitt:-) Die 4 Taschen sind allesamt in die Nähte eingelassen und der Ausschnitt wird mit Beleg ganz einfach verstürzt. Dadurch kann sehr präzise gearbeitet werden. Was dazu beiträgt, dass das Ergebnis am Ende sehr professionell wirkt. Nichts ist schlimmer, als unsauber eingesetzte Taschen, an deren Ansatz sich Falten oder Knubbel ergeben. Es gibt Taschen seitlich in der leicht nach vorn gezogenen Seitennaht und nochmals kleinere Taschen von oben in der horizontalen Teilungsnaht.

Verschlossen wird der Mantel mittels kleiner unauffälliger Haken vorn, die zwischen Vorderteil und Beleg gefasst sind. Keine Verschlusslösung für den tiefsten Winter, aber perfekt für jetzt oder für kurze Wege, oder auch mal als Mantelblazer für innen. Oder mit dickem Schal – geht immer!

Genäht habe ich den Mantel aus Trench Dry Oilskin, einem geölten Baumwollstoff, dem leichteren Bruder des Dry Oilskin. Ein Material mit ein bisschen Stand, wie man sieht. Aber genau das wollte ich für den Schnitt. Damit die Form auch zum Ausdruck kommen kann. Es ist kein Innenfutter vorgesehen und damit die Kanten innen trotzdem schön sind, habe ich sie mit Schrägband versäubert.

Vielleicht nähe ich auch irgendwann noch einmal eine gefütterte Variante. Jetzt jedenfalls freue ich mich erstmal auf diesen Mantel hier!

 

Schnittmuster: Mantel „The Strand“ von Merchant and Mills

Material: Trench Dry Oilskin, Farbe Midnight (dusty petrol)

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